Erarbeitung von Grundlagen für eine
Zertifizierung „Ergotherapie bei Demenz“
Wir sind eine Arbeitsgruppe des Fachkreises „Ergotherapie und Demenz- Hamburg“ und verfolgen das Ziel einer Zertifizierung für ErgotherapeutInnen im Hinblick auf das Krankheitsbild Demenz.
Was qualifiziert uns?
Wir sind ErgotherapeutInnen, die seit vielen Jahren in der praktischen Arbeit mit demenziell Erkrankten tätig sind.
Wir kommen aus dem ambulanten und stationären Bereich, behandeln Menschen mit leichter Demenzerkrankung bis hin zur schweren Form der Demenz.
Wir arbeiten auf der Grundlage verschiedener Fort- und Weiterbildungen, empirisch gewonnener Erkenntnisse und im regen fachlichem Austausch.
Wir halten Vorträge, geben Seminare, coachen Kollegen und bilden Praktikanten im Bereich Ergotherapie aus.
Wir versuchen durch verschiedene Medien, wie Bücher, Zeitschriftenartikel, Broschüren und Fernsehauftritte mit dem Thema Demenz und Ergotherapie die Öffentlichkeit zu erreichen.
Wir arbeiten an der Entwicklung von Therapiematerialien, vor allem für demenziell erkrankte Menschen die schwerer betroffenen sind.
Wir engagieren uns in verschiedenen Verbänden wie Alzheimer Gesellschaft, DED (Deutsche Expertengruppe Dementenbetreuung), dem DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten) und BED ( Bundesverband für Ergotherapeuten in Deutschland)
Wir beobachten den Markt für Fort- und Weiterbildungen und geben Entscheidungshilfen.
Eine Zertifizierung ist sinnvoll:
- Um den Betroffenen und ihren Angehörigen die Suche nach einer fachlich versierten ErgotherapeutIn zu erleichtern.
- Um ein einheitliches Vorgehen in der ergotherapeutischen Arbeit mit demenzkranken Menschen anzustreben.
- Als Qualitätsmerkmal für in diesem Bereich tätigen ErgotherapeutInnen.
- Um die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse zu festigen und durch notwendiges weiterführendes Fachwissen zu ergänzen.
Für die Umsetzung dieser Zertifizierung suchen wir Kooperationspartner.
Kontaktadresse : gudrun@schaade.de
Pro und Kontra einer Zertifizierung
Pro |
Kontra |
Fachwissen kann nicht in der Ausbildung abgedeckt werden |
Kosten: nicht jeder kann sich Fortbildungen leisten |
Expertensuche erleichtern |
Das nötige Wissen schon in der Ausbildung erhalten |
Qualitätsmerkmal |
„Fachidioten“ |
Einheitliches Vorgehen in der Arbeit |
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Viele Einzelfortbildungen sind teurer als eine gezielte Fortbildung/Zertifizierung |
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Angehörige haben längst festgestellt, dass nicht alle ErgotherapeutInnen Erfahrungen mit demenziell erkrankten Menschen haben: statt über Mund zu Mund Propaganda → offiziell zertifizierte ErgotherapeutInnen suchen und finden |
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angrenzende Berufsgruppen haben sich spezialisiert z.B. Pflegekräfte (OP-Pflege, Psychiatrie-Pflege, Kinderpflege, Altenpflege, …), aber auch Logopäden und Physiotherapeuten |
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Geplante Inhalte
Zertifizierung „Ergotherapie bei Demenz“
1. Medizinisches Wissen
Was ist Demenz? (ICD; primäre und sekundäre Demenz)
Abgrenzung Delir und Depression zur Demenz
Abgrenzung Korsakow
Stadien
Diagnostik – Tests
Medikamente
Multimorbidität – andere geriatrische Krankheitsbilder
Aktuelle Forschung
2. Ergotherapeutisches Basiswissen
Ergotherapeutische Befunderhebung
anhand der ICF
Zielsetzung
Therapieplan erstellen
Dokumentation
Wie führt man Fallbesprechungen durch?
Modelle: MOHO, CMOP
3. Ziele der ergotherapeutischen Arbeit
Kognitive Leistungen bei Beginn fördern
Handlungsorientierung bei Beginn fördern
Körperwahrnehmung beeinflussen
Essenstörungen beeinflussen
Sturzprophylaxe
Kontrakturenprophylaxe ( vor allem Hände und Arme)
Kommunikation fördern
Sozialverhalten verbessern
Herausforderndes Verhalten beeinflussen
4. Neuropsychologisches und Neurophysiologisches Wissen
Was beinhaltet Kognition?
Was ist Wahrnehmung?
Welche Konzepte gibt es dazu?
Affolter,
SI,
Basale Stimulation,
Kinästhetik,
Bobath,
Praktische Umsetzung dieser Konzepte nach Schaade
5. Basiswissen zur Versorgung Demenzkranker
allgemeine Methoden:
Biographiearbeit, Milieutherapie, 10 Minuten-Aktivierung,
SET (Selbsterhaltungstherapie), Integrative Validation,
Personenzentrierter Ansatz (Kitwood), DCM, Maeutik, Böhmsche Pflegemodell
ergotherapeutische Methoden:
Wohraumanpassung, Einzeltherapie, Gruppentherapie, ADL, Handling
6, Grundbedürfnisse und Besonderheiten bei einer Demenzerkrankung
Essen, (Probleme in der Nahrungsaufnahme, Schluckstörungen, Hunger, PEG)
Schmerz
Schlaf-Wach-Rhythmus
Was bedeutet Inkontinenz bei Demenzerkrankung?
Religion/Spiritualität
Demenzerkrankte im Akut-Krankenhaus
Sterbebegleitung
sozialwissenschaftliche Grundlagen
Demographische Wandel
Betreuungsmöglichkeiten:
Häuslichkeit,
Tagespflege
Wohngemeinschaften,
Stationäre Betreuung (Heime, integrativ und segregatativ)
Pflegeoasen
Angehörige, (Angehörigenberatung, Alzheimer Gesellschaften)
ehrenamtliche Mitarbeiter, (Wie schult man diese)
Zusammenarbeit mit Pflegekräften, Physiotherapeuten, Musiktherapeuten, Logopäden
Umgang mit Betreuungspersonen nach §87b
7. Allgemeine Hinweise
Kommunikationsstile
Aufbau von Netzwerken
Mitarbeit in Alzheimer Gesellschaften
Wie kommt man an Gelder für die Versorgung?
8. rechtliche Grundlagen
Vorsorgevollmacht - Patientenverfügung
Pflegeversicherungsstufen
Haftung
Geschlossene Unterbringung
Fixierung
Verdeckte Medikamentengabe
Datenschutz
9. Selbstsorge der Therapeuten
Supervision
Abgrenzung
Distanz und Nähe zum Patienten
Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen
Nein- sagen lernen
10. Prüfung und Zertifizierung
Der Kurs soll an 8 Wochenenden über ein Jahr verteilt stattfinden, der letzte Termin ist die Prüfung.
Alle TeilnehmerInnen bringen mindestens ein Fallbeispiel mit.
Die Fallbesprechungen finden ab dem 2. Wochenende statt.
(Falldarstellung ggf. im Film, zwei Falldarstellungen pro Wochenende)
1. WE -> Modul 1+2 (Medizinisches Wissen/Basiswissen)
2. WE -> Modul 3 (Ziele der ergotherapeutischen Arbeit)
+ Fallbesprechungen
3. WE -> Modul 4 (Neuropsychiologisches und Neurophysiologisches Wissen)
+ Fallbesprechungen
4. WE -> Modul 5 (Versorgungsbasiswissen)
+ Fallbesprechungen
5. WE -> Modul 6 (Grundbedürfnisse und Besonderheiten bei einer Demenzerkrankung)
+ Fallbesprechungen
6. WE -> Modul 7 (Allgemeine Hinweise)
+ Fallbesprechungen
7. WE -> Modul 8 (rechtliche Grundlagen)
+ Fallbesprechungen
8. WE -> Modul 9 (Selbstsorge der Therapeutin)
9. WE-> Schlussmodul (Prüfung)
Inhalt der Prüfung sind die Hausarbeit (selbst gewähltes Thema)
und das Kolloquium. (ev. praktische Durchführung einer Therapieeinheit)
Nach erfolgreichen Abschluss erhalten die Teilnehmer einen Nachweis über die Teilnahme am Kurs „Ergotherapie bei Demenz“,
sowie eine Urkunde nach der sie berechtigt sind, sich als zertifizierte „ErgotherapeutIn bei Demenz“ bezeichnen zu können.
Eine Zusammenarbeit mit dem DVE bei der Prüfung scheint sinnvoll.
